Werkzeugkasten

I. VERLERNEN

[1] eine Vorsilbe, die das betreffende Wort als negativ oder schwierig markiert
Schwierig ist es, sich verlernen vorzustellen oder es zu tun. Es führt notwendigerweise zu einer Reihe von Fragen und Widersprüchen: Wie kann zu gelerntem Wissen und Können, das einem_r auch Vorteile verschafft, eine kritische Distanz hergestellt werden? Wie können mächtige Unterscheidungspraxen wie u.a. Rassismus und Sexismus nicht nur sichtbar gemacht, sondern auch destabilisiert werden? Wie kann Verantwortung für gelerntes Wissen und Tun übernommen werden, das nicht nur ein individuelles sondern ein in gesellschaftliche Machtverhältnisse eingebundenes ist? Wie können ungehörte und unerhörte Wissensformen hegemoniales Wissen angreifen?

[2] eine Vorsilbe, die die Bewegung eines Objekts markiert
Ein Prozess des Verlernens verlangt nach Bewegung, aber kann diese als eine lineare mit einem Anfang und einem sicheren Ende vorgestellt werden? – Das Festival des Ferlernens bietet (Experimentier-)Raum, in dem Sicherheiten verunsichert werden können, wobei die ‚Zukunft vorstellen’ verknüpft sein will mit einer Auseinandersetzung mit Vergangenheit und dem Ausloten von möglichen Handlungsspielräumen in der Gegenwart. Projekte im RAF-Raum für die Autonomie und das Ferlernen und Gäst_innen haben sich dazu Workshops und Inputs ausgedacht: zu Aktivismus und Fiktion, zum „Stören“ als Prinzip, zum Umgang mit sozialen Normierungen des Körpers, zur Idee des Verlernens in Kontext von Migration oder zu Formen von Erinnerung und Gedächtnis, zu Feminismus und Utopie und weiteren Ansatzpunkten.

[3] eine Vorsilbe, die bestimmt, dass eine Sache mit etwas versehen wird
Ver- und lernen sind dann nicht einfache Gegensatzpaare, sondern stehen in einem komplizierten Verhältnis zueinander. Lernen soll dabei versehen werden mit einer Aufmerksamkeit gegenüber seinen Komplizenschaften, seiner machtstabilisierenden oder hinterfragenden Funktion. Das ist nicht eine individuelle, reflexive Aufgabe sondern verlangt nach kollektiver/solidarischer Arbeit an Wissen/Lernen/Üben/Handeln.

[4] eine Vorsilbe, die bestimmt, dass eine starke, schwer rückgängig zu machende Änderung auf den körperlichen oder seelischen Zustand von jemandem oder etwas einen starken Einfluss ausübt
Die Gespräche, Workshops, Diskussionen und die gemeinsame Zeit beim Festival des Verlernens wollen einladen zu einer Auseinandersetzung mit gelernten, verinnerlichten, verkörperlichten und gesicherten Wissen. Den Anspruch auf Veränderung meinen wir genauso ernst wie wir meinen, dass wir dabei auch tanzen wollen und uns irren werden. Es kann also verdacht, verkocht, verbruncht, verplaudert, verperformisiert, verrevoltiert, vertanzt, verschneidert, verhandelt und verlernt werden.

KPP30_Sternfeld(1)

II. PARTICIPATORY ACTION RESEARCH

http://en.wikipedia.org/wiki/Participatory_action_research

Fals Borda – Action_and knowledge

III. MIGRATIONSPÄDAGOGIK

„Der migrationspädagogische Ansatz interessiert sich für die Beschreibung und Analyse der dominanten Schemata und Praxen der Unterscheidung zwischen natio-ethno-kulturellem „Wir“ und „Nicht-Wir“ und weiterhin auch für die Stärkung und Ausweitung der Möglichkeiten der Verflüssigung und Versetzung dieser Schemata und Praxen. Migrationspädagogik ist also keine „Migrant/innen-Pädagogik“ in dem Sinne, dass erstes Anliegen der Migrationspädagogik wäre, „die Migranten“ zu verändern. Anders als in pädagogischen Ansätzen, die in erster Linie auf die Förderung (des zum Beispiel als Sprachkompetenz bezeichneten Vermögens, die hegemoniale Sprache im Standardregister zu sprechen) der „Migranten“ zielen, kommen im migrationspädagogischen Blick institutionelle und diskursive Ordnungen sowie Möglichkeiten ihrer Veränderung in den Blick.
Mit dieser Perspektive wird eines der grundlegenden Ordnungsschemata moderner Staaten und Gesellschaften zum Thema, ist für diese doch konstitutiv, dass sie in einer komplexen, nicht immer unwidersprüchlichen Weise zwischen denen, die dazugehören und denen, die nicht dazugehören, unterscheiden. Das Bildungssystem und das pädagogische Handeln tragen hierbei zur Bestätigung der Unterschiedschemata bei, etwa dadurch, dass eine spezielle sozialarbeiterische „Migrantenarbeit“ institutionalisiert ist oder dadurch, dass die Schule optional auf Mechanismen ethnischer Diskriminierung zurückgreift (vgl. Gomolla & Radtke 2002), sie besitzen aber prinzipiell auch die Möglichkeit, diese Schemata und die sie bestätigenden Praxen zu reflektieren und über Alternativen nachzudenken.
Migrationspädagogik bezeichnet einen Blickwinkel, unter dem Fragen gestellt und thematisiert werden, die bedeutsam sind für eine Pädagogik unter den Bedingungen einer Migrationsgesellschaft. „
Ganzen Text „Was ist Migrationspädagogik“ unter:
Zum Verweilen:
Internationalisierung der Universität – eine migrationspädagogische Kritik.

„Differenzfreundlich und diskriminierungskritisch. Anforderung an Bildungsinstitutionen“

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